Mittwoch, 8. November 2017

Flugzeuge im Bauch, im Blut Kerosin...

Wer mich kennt, weiß: wenn es an den Berliner Flughäfen etwas interessantes zu sehen gibt, fahre ich hin. Egal, ob Obama oder die Queen kamen oder der Siegerflieger... Am 27. Oktober las ich nachmittags eher zufällig, dass man beim letzten Flug der Air Berlin live dabei sein kann und die Besucherterrasse bis nachts offen sein wird. Und das sogar gratis. Ich war noch nie im Dunklen auf der Aussichtsterrasse, weil sie da schlicht immer geschlossen ist. Also war klar, dass wir hinfahren.


Ich muss gestehen, dass Air Berlin nicht wirklich zu meinen Favoriten zählte. Wenn es sich vermeiden ließ, habe ich die Konkurrenz gewählt.  Von Service, Herz (abgesehen von denen aus Schokolade) oder dem Lächeln, das laut Air Berlin-Hymne angeblich stets mit drin sei, bekam ich bei den wenigen Flügen nichts mit. Aber das ist Schnee von gestern.

Die Busfahrt zum Flughafen war amüsant. Erst zeigte sich der Busfahrer von seiner lustigen Seite mit einer Durchsage:
"Keine Sorge, wir halten jetzt nur noch mal kurz an, damit der junge Mann sein Bier entsorgen kann".
Der Bus hielt unmittelbar an einem Mülleimer...
"So, jetzt haste et och jar nich weit, Schätzelchen!"
Der Mann wirft brav die Bierflasche weg....
"Und wenn de jetzt noch deinen Astralkörper aus der Lichtschranke nimmst, können wir auch weiterfahren."
:-D

Später stiegen ein paar Air Berlin-Flugbegleiterinnen ein.  Da ging es wieder los:
"Mädels, ich finde es auch traurig, keine Schokoherzen mehr abends nach dem letzten Flug!"
Daraufhin holten sie Herzchen aus der Tasche, aber gaben keins dem Busfahrer ;-).
Es gab Applaus für den Fahrer bei der Anfahrt nach Tegel, was er mit einem "Wir sind doch noch gar nicht gelandet!" kommentierte.

Als wir um 20:30 ankamen, war es noch erfreulich leer. Keine Warteschlangen an der Sicherheitskontrolle und wir sicherten uns einen Platz in der ersten Reihe, quasi die Pole-Position. Später wurde es deutlich voller und am nächsten Tag las ich in der Zeitung, dass ab 22 Uhr wegen Überfüllung die Terrasse geschlossen wurde. Viele Planespotter waren da, viel Presse. Und die Pappflugbegleiterin, die früher in Reisebüros (oder am Flughafen?) herumstand.

Es war kalt. Es war eine gute Entscheidung, dass ich meine Winterjacke schon herausgeholt hatte. Es war eine schlechte Entscheidung, nicht auch die Wunderschuhe aus dem Schrank geholt zu haben. Aber es regnete nicht, es stürmte nicht, es hätte also schlimmer kommen können. Uns fiel erstmals bewusst auf, dass es da oben auf der Terrasse ja definitiv nichts zu essen gibt. Und keinen Taschenwärmerverkauf. Auch keine Toilette. Man hätte natürlich herunter in den Flughafen gehen können, aber wer würde schon den tollen Platz an der Pole Position aufgeben?

Neben uns stand ein Planespotter mit riesiger Kamera. Er zoomte für uns mal heran, was da für ein dickes Buch im Cockpit einer Brussels Airlines liegt. Es war die Bedienungsanleitung für den Airbus :-D. Sehr cool. Ich brauche auch so eine Kamera.

Es wurde voller und voller am Flughafen, selbst am Tower standen außen Leute. Man sah Menschentrauben an den Fenstern im Tunnel zu Terminal C. Und schon Stunden vor der Landung füllte sich das Vorfeld mit Air Berlin-Mitarbeitern. Zuvor hatte es einen Fackellauf von der Zentrale am Saatwinkler Damm zum Flughafen gegeben.

Und dann ging das Warten los. Für 22:45 war der Flieger angekündigt, aber sehr schnell konnte man in den Live-Tickern der Zeitungswebseiten lesen, dass sie viel zu spät gestartet sei. Sie sei aufgehalten worden, man habe noch mit Edding das Flugzeug verziert und überhaupt. Vermutlich war die Verspätung auch beabsichtigt, damit sie wirklich die letzte Maschine des Abends in Tegel ist. (was nicht klappte). Also hieß es warten... warten...ausharren... sich langsam Gedanken machen, wann eigentlich der wirklich allerletzte Bus nach Hause fährt...Flugzeuge gucken...
Einige andere Air Berlin-Flieger an dem Abend machten Überflüge über die Stadt, aber nicht so tief wie die in Düsseldorf, die es in die Medien schaffte. Irgendwann war der letzte Start einer Air Berlin nach München.


Kurz vor Mitternacht kam sie dann. Zum Glück saß zu Hause jemand, der auf Flightradar24 bequem auf der Webseite immer schaute, wo der Flieger gerade ist und so bekamen wir früh mit, dass sie von der anderen Seite kommen wird als erwartet. Und so bekamen wir auch einen Screenshot von dem Herz, das geflogen wurde über der Stadt.Für das Herz ging es auch einmal über den Flughafen, relativ tief und es wurde das Kabinenlicht an und ausgeschaltet. Das sah gut aus.
Dann die Landung, kein Durchstarten wie viele vermutet hatten, dafür eine ewig lange Runde über den gesamten Flughafen Tegel. In der Zwischenzeit landete noch schnell Niki aus Hurghada, dann war für den Abend Schluss...

Vier Flughafenfeuerwehr-Autos duschten das Flugzeug, dazu ein Konzert der Follow-Me-Cars. Das hatte schon etwas.  Ich habe solche Flugzeug-Begrüßungen mit Wasser schon öfter gesehen, bei Erstlandungen neuer Flieger, neuer Airlines etc, aber solch eine Lautstärke gab es da nie. Es folgte das Ausrollen von Transparenten und etwas, was von oben aussah wie eine Abschiedsparty.

Wir verzogen uns dann und erwischten den vermutlich wirklich letzten Bus. Eingequetscht wie die Ölsardinen ging es durch die Nacht...




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