Mittwoch, 6. September 2017

Unter Rentnern... IGA 2017

In der letzten Ferienwoche hatte der Junior eine Ferienaktion auf der IGA gewonnen. Das heißt, er lief über 5 Stunden lang in einer betreuten Kindergruppe über das Gelände und ging  dann noch zum Basteln, während ich die Zeit irgendwie vertreiben konnte. Da Marzahn jetzt nicht die spannendste Umgebung bietet und ich eigentlich auch schon nahezu jeden Winkel dort kenne, kaufte ich mir kurzerhand auch eine Eintrittskarte für die IGA und schaute mich um.


Meine Erwartungen waren niedrig. Ich hatte gehört, dass es kaum etwas zu sehen gibt, es viel zu teuer ist für das, was geboten wird und überhaupt...Und ja, 20 Euro Eintritt sind ganz schön happig für eine Eintrittskarte. Wer nach 17 Uhr kommt, zahlt die Hälfte. Inwiefern sich das jetzt bei den kürzer werdenden Tagen lohnt, muss jeder für sich entscheiden.

Am Haupteingang ist  nahe der U-Bahn-Station "Gärten der Welt": nichts. Nur ein paar Stände mit Pflanzen, Sonnenfängern und Schnaps in Dosen. Ein großes Blumenbeet. Und eine Art Container, in dem man "Mobilitätshilfen" für Senioren und Bollerwägen leihen kann. Ein Spielplatz ist hier auch noch, nach Vorbild des Buches "Der 35.Mai" von Erich Kästner. Und wenn man nun wirklich viele Blumen sehen will, muss man sehr weit laufen oder direkt in die Seilbahn steigen. Wer Höhenangst hat, hat also hier schon verloren ;-).


Da ich es schon mehrfach gefragt wurde: während der IGA kann man ohne Aufpreis so viel Seilbahn fahren wie man Lust hat. Wenn es voll ist, muss man natürlich nach jeder Fahrt etwas warten, aber es kostet nichts extra, immer wieder zu fahren, selbst wenn man 20x an einem Tag das Gelände von oben sehen mag ;-). Leider haben nur 6 Gondeln von 64 einen Glasboden. Auf der Grünen Woche wurden sie als DAS Highlight angepriesen. Ich erwischte nur ein einziges Mal eine Gondel mit Glasboden - und der war so verkratzt, dass man schon genau hinsehen musste, um ihn als solchen zu erkennen. Schade!

Die erste Haltestelle der Seilbahn ist auf dem Kienberg. Dort ist eine Aussichtsplattform namens Wolkenhain. Gut, mit Fantasie kann man eine Wolkenform erkennen. Man kann eine Treppe hochsteigen (Achtung, Metall zum Durchgucken...!) oder den dezent ausgeschilderten Aufzug nutzen. Von da oben sieht man: Häuser. Plattenbauten soweit das Auge reicht. Mir war das nicht bewusst, wie viele es dann doch sind. Alles voll. Nur mit Fantasie erkennt man in der Ferne aus andere Bauwerke. Man sieht den Fernsehturm und das Tempelhofer Feld. Und sogar das Kraftwerk Lichterfelde erkannte man schemenhaft in der Ferne.


Für die Touristen überwog aber wohl die Plattenbau-Aussicht. Ich hörte wie sich zwei alte Damen mit NRW-Dialekt unterhielten:
"Hach, hier auf der IGA ist es so schön grün. Da können sich die Berliner eine Dauerkarte kaufen und dann aus ihren kleinen Wohnungen herauskommen und mal im Grünen einen Buch lesen".
Hmpf...

Hier oben beim Wolkenhain beginnt auch die Sommerrodelbahn. Sie kostet 3 Euro extra und ist nicht so wirklich spektakulär. Der Kienberg ist halt auch nicht wirklich hoch.

Fährt man mit der Seilbahn vom Kienberg wieder herunter, kommt man zu den Blumenhallen, die zwar schön, aber nicht sehr groß sind. Und zu einem Wassergarten, der schon cooler ist. Mit tollen geschwungenen Bänken, über die ein Parkranger wacht - damit man auf der Bank bloß nichts isst und sie verschmutzt!

Apropos Essen... entweder man geht in eines der Restaurants, oder man isst Bratwurst für 3,50 Euro. Oder Eis. Das gastronomische Angebot war erstaunlich klein. Ich wollte mich nicht allein in ein Restaurant setzen und da ich auf keine Lust auf Bratwurst hatte, blieb es bei einem Eis zum Mittagessen.


In dem Bereich bei den Blumenhallen geht es dann auch zu den Gärten der Welt, die es ja schon lange gibt. Vorbei an schönen Anpflanzungen, Beispielgärten,  die man zu Hause "nachahmen" könnte, Dahlienbeeten, Rosengarten und richtig hübschen Grab-Bepflanzungen.. Ich habe viele Fotos gemacht, um das eine oder andere nachzupflanzen.Ich glaube, in meinem nächsten Leben werde ich Friedhofsgärtnerin ;-).

In dem Bereich rund um die Gärten der Welt war ich zwar ewig unterwegs, aber die Zahl der IGA-Anpflanzungen kommt einem dennoch wenig vor, weil der gesamte Park so riesig ist. Von der Seilbahn aus sieht man soooo viel Grün, viel Wildnis und sogar ein Reh entdeckte ich. Da wirken die Blumenbeete schon klein.



Auf Kinder wartet ein ganz tollen Wasserspielplatz mit Wal und auf alle ein Heckenlabyrinth- aus dem ich nur dank eines freundlichen Rollstuhlfahrers wieder herausfand...!



Und diese Bärchen sind noch da. Die gab es 1987 zur Berliner Gartenschau auch schon und es gibt ein Foto von mir als Sechsjährige, an diesem gelben Bärchen hängend... Ich hoffe, meine Mutter findet das Foto noch.



Was mir auf der IGA auffiel: ich war an dem Donnerstagvormittag quasi allein unter Rentnern und Kindergruppen. Wohin man schaute, fast nur Senioren. Einmal beobachtete ich, wie ein Rollator einen Kinderwagen rammte. Der kinderwagenschiebende Vater meinte passend dazu "Jetzt fahren die Rentner schon die junge Generation um" ;-).

Alles in allem...lohnt es sich? Nun ja, für einen Familienausflug summiert sich der Eintrittspreis schon ganz schön auf. Montags ist Familientag, da ist es günstiger. Es lohnt sich meiner Meinung nach wegen der Seilbahn und für Kinder wegen der tollen Spielplätze. Die Anpflanzungen sind... naja, Blumen eben. Wer sich aber für Gartengestaltung und Blumen interessiert, kann hier viele Ideen für den heimischen Garten mitnehmen und das ist wohl auch der Sinn einer IGA.

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